Immobilienbewertung Mehrfamilienhaus: Der komplette Ratgeber 2025
Erfahren Sie, wie Mehrfamilienhäuser und Wohn- und Geschäftshäuser professionell bewertet werden – mit Methoden, Rechenbeispielen und Expertentipps
1. Grundlagen der Immobilienbewertung bei Mehrfamilienhäusern
Die Immobilienbewertung von Mehrfamilienhäusern unterscheidet sich grundlegend von der Bewertung selbstgenutzter Immobilien. Während bei Einfamilienhäusern oft subjektive Faktoren eine Rolle spielen, steht bei Mehrfamilienhäusern die wirtschaftliche Ertragskraft im Vordergrund.
Warum ist eine professionelle Bewertung wichtig?
- Verkauf: Ermittlung eines realistischen Verkaufspreises
- Finanzierung: Banken benötigen eine Wertermittlung
- Erbschaft und Schenkung: Steuerliche Bewertung
- Vermögensplanung: Portfolioübersicht
💡 Expertentipp
Bei Mehrfamilienhäusern ist der Ertragswert meist deutlich relevanter als der Substanzwert. Ein gut vermietetes Objekt in durchschnittlicher Bausubstanz kann wertvoller sein als ein saniertes Objekt mit Leerstand.
Die drei Standard-Bewertungsverfahren
- Ertragswertverfahren: Standard für vermietete Mehrfamilienhäuser
- Sachwertverfahren: Bei selbstgenutzten Objekten
- Vergleichswertverfahren: Bei ausreichenden Vergleichsobjekten
2. Ertragswertverfahren – Die wichtigste Methode
Das Ertragswertverfahren ist die wichtigste Bewertungsmethode für Mehrfamilienhäuser. Es ermittelt den Wert basierend auf den erzielbaren Mieteinnahmen.
Schritt-für-Schritt-Berechnung
Schritt 1: Rohertrag ermitteln
Der Rohertrag ist die jährliche Bruttomieteinnahme.
📊 Beispiel Rohertrag
Objekt: Mehrfamilienhaus mit 6 Wohnungen
Wohnung 1-4: je 65 m² à 9,50 €/m² = 2.475 €/Monat
Wohnung 5-6: je 80 m² à 10 €/m² = 1.600 €/Monat
Monatsmiete gesamt: 4.075 €
Jahresrohertrag: 48.900 €
Schritt 2: Bewirtschaftungskosten abziehen
- Verwaltungskosten: ca. 4-5% des Rohertrags
- Instandhaltung: ca. 1,00-1,50 € pro m²/Monat
- Mietausfallwagnis: ca. 2-4% des Rohertrags
📊 Beispiel Bewirtschaftungskosten
Rohertrag: 48.900 €
Verwaltungskosten (4,5%): 2.200 €
Instandhaltung: 5.400 €
Mietausfallwagnis (3%): 1.467 €
Summe Bewirtschaftungskosten: 10.567 €
Reinertrag: 38.333 €
Schritt 3: Bodenwert ermitteln
📊 Beispiel Bodenwert
Grundstücksfläche: 600 m²
Bodenrichtwert: 180 €/m²
Bodenwert: 108.000 €
Schritt 4: Vervielfältiger anwenden
📊 Gesamtberechnung
Gebäudereinertrag: 34.013 €
Vervielfältiger (4%, 50 Jahre): 21,48
Gebäudeertragswert: 730.599 €
+ Bodenwert: 108.000 €
Ertragswert gesamt: 838.599 € (≈ 840.000 €)
3. Sachwertverfahren im Detail
Das Sachwertverfahren wird angewendet, wenn das Ertragswertverfahren nicht sinnvoll ist.
Berechnung
- Bodenwert ermitteln
- Herstellungskosten des Gebäudes (NHK 2010)
- Alterswertminderung abziehen
- Marktanpassung durchführen
⚠️ Achtung
Das Sachwertverfahren führt bei Renditeimmobilien oft zu unrealistisch hohen Werten. Für vermietete Mehrfamilienhäuser ist das Ertragswertverfahren deutlich relevanter.
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Sie möchten den Wert Ihres Mehrfamilienhauses in Oberfranken ermitteln lassen?
Jetzt Bewertung anfragen4. Vergleichswertverfahren
Das Vergleichswertverfahren ermittelt den Wert anhand tatsächlich erzielter Kaufpreise vergleichbarer Objekte.
Voraussetzungen
- Mindestens 3-5 vergleichbare Verkäufe
- Ähnliche Lage, Größe und Ausstattung
- Verkäufe nicht älter als 2-3 Jahre
5. Wichtige Bewertungsfaktoren
Lage und Standortqualität
- Makrolage: Stadt, Region, wirtschaftliche Entwicklung
- Mikrolage: Stadtteil, Straße, Umfeld
- Infrastruktur: ÖPNV, Einkaufen, Schulen
Baulicher Zustand
- Bausubstanz (Dach, Fassade, Fenster)
- Haustechnik (Heizung, Elektrik, Sanitär)
- Energieeffizienz und Dämmung
Vermietungssituation
- Vermietungsgrad
- Mietniveau im Vergleich zum Markt
- Mieterpotenzial und Bonität
6. Wohn- und Geschäftshäuser
Wohn- und Geschäftshäuser kombinieren Wohnnutzung mit gewerblicher Nutzung und erfordern eine differenzierte Bewertung.
Bewertungsansatz
- Wohnbereich: Liegenschaftszinssatz 3,5-5,0%
- Gewerbebereich: Liegenschaftszinssatz 5,0-7,0%
⚠️ Risikofaktor Gewerbe
Gewerbemieter haben oft längere Kündigungsfristen, aber höhere Anforderungen. Bei Leerstand ist Gewerbefläche schwerer zu vermieten als Wohnraum.
7. Bewertungsrechner
Ertragswert-Schnellrechner
8. Häufige Fehler bei der Bewertung
1. Emotionale Überbewertung
Eigentümer überschätzen den Wert oft aufgrund emotionaler Bindung. Der Markt interessiert sich nur für den objektiven Ertragswert.
2. Falsche Bewertungsmethode
Das Sachwertverfahren führt bei Renditeimmobilien oft zu unrealistisch hohen Werten.
3. Unrealistische Mietansätze
Bewertung mit Wunschmieten statt tatsächlich erzielbaren Marktmieten.
4. Unterschätzung der Bewirtschaftungskosten
Realistisch sind 20-25% des Rohertrags, nicht 10-15%.
5. Vernachlässigung von Instandhaltungsrückständen
Aufgeschobene Sanierungen müssen vom Wert abgezogen werden.
9. Häufig gestellte Fragen
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